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Dienstag, 17. Januar 2017, 18.00 und 20.15 Uhr
The Age of Kristen Stewart (1)
CAFÉ SOCIETY
Deutscher Titel: Café Society

Comedy-Drama mit Jesse Eisenberg, Kristen Stewart, Steve Carell, Blake Lively, Jeannie Berlin, Parker Posey
Chefkameramann: Vittorio Storaro
Producer: Lettie Aronson, Stephen Tenenbaum
und Edward Walson
Drehbuch, Regie: Woody Allen
USA 2015, 96 Min.
Originalversion mit Untertiteln

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Filme im Schloß widmet der amerikanischen Schauspielerin Kristen Stewart eine Reihe mit einer Auswahl ihrer besten Filme. Neben dem Eröffnungsfilm, Woody Allens Café Society, sind für das erste Vierteljahr zwei weitere Filme vorgesehen: für den 17.2. Personal Shopper, Regie Olivier Assayas, und für den 3.3. als Wiesbadener Erstaufführung Certain Women, Regie Kelly Reichardt. In Allens Dramedy Café Society beweist Kristen Stewart erneut, ”daß sie die Schauspielerin mit der derzeit wohl stärksten Ausstrahlung ist: indem sie größtmögliche Verführungs- kraft mit größtmöglicher Emanzipation und Eigenwilligkeit kombiniert” (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung).

Kristen Stewart, Jesse Eisenberg: Café Society ist ihr dritter gemeinsamer Film.

Ben Dorfman ist ein braver jüdischer Junge aus der Bronx, er ist gut erzogen und steckt seiner Mutter immer wieder mal ein paar Hunderter zu, beim Abendessen, damit sie mit der Familie besser über die Runden kommt. Er ist nicht die Hauptfigur in Woody Allens „Café Society”, aber ein Prototyp der amerikanischen Dreißiger, zupackend und zuverläßlich, er führt seine Geschäfte mit ruhiger Routine, hat einen Nachtclub, in dem er auch seinen kleinen Bruder Bobby installieren will, als Manager.

Bevor Bobby (Jesse Eisenberg) sich aber ebendort bewähren kann, wird er von der Mutter - probeweise - nach Hollywood geschickt, zu ihrem Bruder Phil, der dort ein supererfolgreicher Agent ist und Deals macht mit Ginger Rogers oder Spencer Tracy, Fred Astaire oder Gary Cooper. Sehr beeindruckend. Phil (Steve Carell) nimmt, als er endlich mal ein paar Minuten Zeit hat, den Jungen in seine Obhut, besser gesagt, er gibt ihn gleich weiter in die von Vonnie, seiner engsten Mitarbeiterin und Vertrauten (Kristen Stewart).

Natürlich ist Woody Allen, dem New Yorker par excellence, das Hollywood der Dreißiger, die Traumfabrik, überhaupt nicht geheuer. Die nächtliche Party im Garten einer Bauhaus-Villa mit ihren steifen, statuenhaften Figuren wird von seinem Kameramann Vittorio Storaro - dem dreifachen Oscar-Preisträger - gespenstisch fahl und kalt gefilmt: Letztes Jahr in Hollywood.


Vonnie gibt Bobbys Werben nach (Kristen Stewart, Jesse Eisenberg).

Wenn das Mädchen Vonnie Bobby zum Sightseeing ins Prominentenviertel mitnimmt, bleiben sie wie ganz gewöhnliche Touristen am Gittertor vor Joan Crawfords Villa stehen und staunen. Hollywood ist eine Welt des leblosen Glamours, aber ohne - was Bobby sich erwartet oder gewünscht hätte - Stil und Wärme, Aura und Aroma. Er entkorkt schon mal die Flasche Wein, die er für den Abend mit Vonnie bereitgestellt hat, damit der Wein atmen kann, aber dann muß sie doch plötzlich den Abend absagen. Ja, Bobby macht sich ernsthaft Hoffnungen, er könnte mit Vonnie, mädchenhaft, mit Schleife im Haar und in Söckchen, glücklich werden, nach New York zurückgehen, in seines Bruders Club seine Karriere machen.

Hollywood, das sei eine Stadt, die auf dem Prinzip des Ego läuft, erklärt der Erzähler des Films, es ist die Stimme von Woody Allen selbst, sie klingt müde und heimwehkrank, von Anfang an. Und natürlich hat Vonnie einen anderen, einen größeren und auch gar nicht mal so treulosen Mann in Aussicht, der Bobbys Liebe bedroht. Kristen Stewart hat in den vergangenen Jahren in amerikanischen und europäischen Filmen große Momente der Einsamkeit und der Melancholie zelebriert, hier treibt sie das, mit ihren traurig leeren Augen, bis zur Gleichgültigkeit - was sie dann merkwürdig robust macht. Die zerbrechliche Figur ist Bobby, „you have this deer in the headlights quality”, sagt Vonnie zu ihm, er ist wie ein Reh auf nächtlicher Straße, von grellem Scheinwerferlicht paralysiert.

Weil Woody Allen sich am liebsten Geschichten von Egozentrikern ausdenkt und Dialoge für Monaden schreibt, gibt es selten richtige Kommunikation in seinen Filmen, seine Figuren schauen oft ins Leere, am andern vorbei. Die schönste Szene in diesem Film spielt an der Garderobe eines Restaurants, wo die Stars und Produzenten und Agenten pausenlos rein- oder rauskommen, Hüte ablegen und Mäntel verlangen, ein permanentes en passant. Die Bewegung geht nie in die Tiefe in den Filmen von Woody Allen, sie verläuft sich horizontal, wie beim Jazz. So weiß er auch nicht, was eine Romanze ist, wie echte Liebe geht, und was richtiges Hollywood-Feeling ist. Man ist womöglich glücklicher im Leben, sagt er, wenn man Sachen vergessen kann. Eine zweite Frau tritt schließlich in Bobbys Leben, Veronica, verkörpert von Blake Lively. Sie spielt, was man von Kristen Stewart nicht erwarten konnte, eine verständnisvolle Ehefrau, und sie hat Glamour.


Steve Carell als Phil, erfolgreicher Hollywood-Agent; Kristen Stewart als Vonnie, seine Assistentin.

Der brave Sohn und Bruder Ben (Corey Stoll) ist natürlich ein Gangster, immer wieder greift er in seinem Business auf die bewährten Gangstermethoden zurück - die Szene, in der seine Männer aus dem Kofferraum ihres Wagens einen Toten ziehen und in eine Grube werfen, in die gerade Zement pladdert, kehrt den ganzen Film über immer wieder. Im entscheidenden Moment seines Lebens konvertiert Ben auch noch, zum Entsetzen seiner Mutter: „Erst ein Mörder, nun noch ein Christ!! Womit hab ich das verdient!”

Ein Leben, das nicht hinterfragt wird, lohnt nicht, gelebt zu werden, wird einmal beiläufig Sokrates zitiert, aus der Apologie, aber hier klingt es wie eine Paraphrase zu Adornos falschem und richtigem Leben. „Café Society” ist ein Film von großer Hoffnungslosigkeit, aber man nimmt sie hin, richtet sich ein mit ihr. Was durchaus die Stimmung trifft, heute, in Amerika.

Fritz Göttler:Süddeutsche Zeitung


Von links: Jesse Eisenberg, Kristen Stewart, Woody Allen
Kristen Stewart

Geboren am 9.4.1990 in Los Angeles, CA. Filme (Auswahl): 2001 Panic Room. 2003 Speak (Speak - Die Wahrheit ändert alles); Catch That Kid (Mission Possible - Diese Kids sind nicht...); Cold Greek Manor (Cold Green Manor - Das Haus am Fluß). 2005 The Messengers; In the Land of Women (Im Land der Frauen). 2006 Into the Wild. 2007 The Cake Eaters; Adventureland; TheYellow Handkerchief (Das gelbe Segel). 2008 Twilight (Twilight bis(s) zum Morgengrauen). 2009 The Twilight Saga: New Moon; The Twilight Saga: Eclipse; The Runaways. 2010 Welcome to the Rileys (Willkommen bei den Rileys); On the Road (On the Road - Unterwegs). 2011 The Twilight Saga: Breaking Dawn - Part I und Part II; Snow White & the Huntsman. 2013 Still Alice (Still Alice - Mein Leben ohne Gestern); Camp X-Ray (Camp X-Ray - Eine verbotene Liebe); Clouds of Sils Maria (Die Wolken von Sils Maria). 2014 Anesthesia; American Ultra; Equals (Equals - Euch gehört die Zukunft). 2015. Personal Shopper; Café Society; Certain Women. 2016 Billy Lynn’s Long Halftime Walk (Die irre Heldentour des Billy Lynn).