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Freitag, 16. November 2018, 20.00 Uhr
WAG THE DOG
Wag the Dog - Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

Satire mit Dustin Hoffman, Robert De Niro, Anne Heche, Denis Leary, Willie Nelson, Kirsten Dunst, Woody Harrelson
Musik: Mark Knopfler
Drehbuch: David Mamet, Hilary Henkin
Producer: Jane Rosenthal, Robert De Niro, Barry Levinson
Regie: Barry Levinson
USA 1997, 97 Min.

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Knapp zwei Wochen vor den Wahlen wird der US-Präsident in eine angebliche Sex-Affäre verwickelt. Ob der Wahrheit entsprechend oder nur manipuliert - die Medien haben ihren Wahlkampfschlager, und der Präsident braucht Hilfe. Ein Krieg muß her zur Ablenkung, und dieser soll von Hollywoodproduzent Motss inszeniert werden. ”Nicht nur ein böser, streckenweise makabrer Spaß, sondern auch eine vernichtende Satire, die die Glaubwürdigkeit von Politik und Medien in Frage stellt ” (FBW).

Dustin Hoffman als Hollywoodproduzent Stanley Motss und Robert De Niro als Spin-Doctor Conrad Brean

[...] Wag the Dog ist eine Satire, und zwar eine sehr gute. Das bedeutet: Sie ist genau um das Maß verrückt und überkandidelt, damit der Film Spaß macht und nicht in eine bleierne Predigt ausartet, die uns Zuschauern erklärt, wie furchtbar böse die Welt sei, und daß man heutzutage überhaupt niemandem mehr trauen kann.

Es geht um den US-Präsidenten. Der hat einem Girl Scout seinen Bill gezeigt, und dies ausgerechnet zehn Tage vor der Wahl. Zeit für Conrad Brean, den ”Mr.Fix-it” des Präsidenten, gespielt von einem Robert De Niro, der hier einmal mehr den größten Teil eines Films im Sitzen verbringt. Brean ist eine Art Klempner für Medienfragen: wenn er seine Arbeit gut macht, dann merkt es keiner. Anderenfalls beginnt es gehörig zu stinken. Im Folgenden wird nun detailliert und mit der ausreichenden Portion Zynismus beschrieben, wie Mr. Fix-it seinen Job macht: ”Verändere die Story” heißt die Methode. Die größte Kunst der Desinformation ist das Dementi von Dingen, nach denen gar nicht gefragt wurde.


Dustin Hoffman

Noch interessanter als präsidentialer Sex ist für die breite Öffentlichkeit nur ein kleiner feiner Krieg. Weil der aber zu teuer käme, muß man halt so tun, als ob. Albanien wird zum Feind auserkoren. Warum Albanien? ”Warum nicht?” fragt Brean zurück und bringt damit die Dinge auf den Punkt. Um nun die Show perfekt zu machen, genügen nicht allein rhetorische Strategien, man braucht Bilder. Denn gegen die gibt es kein Argument mehr. Hier kommt nun Stanley Motss, ein genialischer Hollywoodproduzent, ins Spiel. Er bedient die Medienmaschiene perfekt, und aus deren totaler Mobilmachung erwächst die totale Manipulation.

Waging the Dog bedeutet auf Englisch, daß der Schwanz mit dem Hund wedelt. Die Message von Wag the Dog ist so einfach wie offensichtlich: Die Bilder in Film und Fernsehen täuschen uns alle, Wahrheit ist technisch reproduzierbar, Moral und Gerechtigkeit sind special effects. Letztlich geht es um die Macht, und um sonst gar nichts. Das ist sicher eine unangenehme Lektion für jene, die es gern besonders harmonisch hätten. Und für alle politisch Überkorrekten. Denn natürlich sind die Klempner aus dem Weißen Haus nicht die einzigen Bad Guys. Sie reagieren auch auf eine Medienmaschiene und eine Zuschauerschaft, die das Zuhören längst verlernt haben und rationale Erklärungen nicht akzeptieren. So wird die Verschwörung zum Normalzustand.


Anne Heche als Präsidentenberaterin Winifred Ames und Robert De Niro

Wir Alltags-Paranoiker wissen natürlich schon lange, daß Sein und Schein nicht zu trennen sind. Die wahre Welt sei eine Fabel, schrieb bereits Nietzsche, und wenn das stimmt, dann ist die Fabel die wahre Welt. Wahrheit und Lüge verschmelzen zu einem ununterscheidbaren Brei, den wir im Publikum dann auszulöffeln haben. Solange es von Barry Levinson zusammenmengekocht wird, kann man sich das gefallen lassen. Seine grotesk-komische Farce um Politik und Medienmacht ist überdreht und versponnen und dabei auch gleich noch eine clevere Hollywood-Satire.

Rüdiger Suchsland, Arteschock, München (gekürzt)

Dustin Hoffman, Anne Heche, Robert De Niro

As soon as the project was announced, it was clear that the target of Wag the Dog’s satire was the Clinton administration. But veteran filmmakers David Mamet (screenplay) and Barry Levinson (direction) could hardly have dreamed that their black comedy would seem to predict actual details surrounding the President’s alleged dalliance with a 21-year-old White House intern. Moviegoers will almost certainly gasp when the screen lights up with a photo of the fictional President touching the shoulder of the girl in question because it so resembles a real-life video of Clinton and ex-intern Monica Lewinsky together on the White House lawn. And if that doesn’t make them uneasy, then the fictional President’s campaign advert using the song ”Thank Heaven for Little Girls” surely will.

[...] Made in a breathtaking 29 days - in the downtime caused by a delay in filming Levinson’s upcoming Sphere, which also stars Dustin Hoffman - and on a tiny $15 million budget, the final product, doesn’t feel like something thrown together at all. Using video clips, demonstrations of digital editing, and close-ups of musicians recording in a studio, it amply suggests the sophisticated range of manipulative techniques employed in the marriage between Hollywood and Washington.


Robert De Niro

Put aside for a moment the fact that President Clinton’s ever-growing aggressive stance towards Iraq in January 1998 is just the sort of thing the presidential advisers of Wag the Dog - stuck with the burden of inventing a conflict with Albanian terrorists - would recommend. No, this film is an extremely well-made trifle, one that, with its cast pulled from disparate parts of the American entertainment universe, has an Altman-like mosaic feel to it. Its allusive cryptogram of a title is the only outward signt hat playwright Mamet (Speed the Plow, Glengarry Glen Ross) penned the screenplay. Well, the titleand the catch phrase -”This is NOTHING” - a verbal tic that producer Stanley Motss utters when each phase of the absurd cover-up he’s created comes horribly undone.There’s a great deal of nonsense here for film lovers (and political junkies) to chuckle over - Motts and his cronies, one of whom is played by Andrea Martin (from television’s SCTV), talk about merchandising profits and back-end deals fort he Albanian ”production” they’re cooking up. ”You’ve never been at a pitch meeting,” Motss replies when Brean thinks their prospects of keeping the Albanian war story are sinking. And, as a special touch, the Hollywood schemers draft in Jim Belushi to speak for Americans of Albanian descent. [...]

Robin Dougherty: Sight and Sound, London