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Dienstag, 23. April 2019, 20.00 Uhr
BLACKkKLANSMAN
Deutscher Titel: BlacKkKlansman

Satire mit John David Washington, Adam Driver, Topher Grace
Musik: Terence Blanchard
Chefkameramann: Chayse Irvin
Drehbuch: Charlie Watchel, David Rabinowitz, Kevin Willmott, Spike Lee
Producer: Sean Kittrick, Jason Blum, Jordan Peele, Spike Lee, Shaun Redick
Regie: Spike Lee
USA 2017, 135 Min.
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Die wahre Geschichte eines Schwarzen, der einst den Ku Klux Klan infiltrierte. ”Einer der besten Filme des Jahres. Besonders das Amerika unter Trump erlebt ein Revival rechten Gedankenguts und archaischer Gruppen wie zum Beispiel dem Ku Klux Klan. Daß mit 'America First' hauptsächlich das 'weiße' Amerika gemeint ist, hat Spike Lee in Interviews schon angedeutet.” (Die Zeit). ”Das ist ein furchtloser Film, er ist wütend und clever und wichtig für unsere Zeit” (Deutschlandfunk).

Die Cops Flip Zimmermann (Adam Driver) und Ron Stallworth (John David Washington) unterwandern den Klan in South Carolina.

Manche Geschichtenerzähler brauchen einen Gegner. Ein solcher Erzähler ist Spike Lee. Es schien ja ein bisschen so, als habe Lee, der wichtigste schwarze Filmemacher des amerikanischen Kinos, der Mann, der vor fast drei Jahrzehnten ”Do the Right Thing” und ”Malcolm X” gemacht hat, ein wenig die Konzentration verloren bei seinen letzten Filmen. Nun aber gibt es neue Verhältnisse, Donald Trump, Charlottesville, eine Verschiebung der Grenzen des Sagbaren. Und des Vorstellbaren: David Duke, der einmal der Grand Wizard des Ku-Klux-Klan war, findet, er und Donald Trump stehen auf derselben Seite. David Duke kommt vor in Spike Lees neuem Film ”Blackkklansman”. Er hat eine wahre Geschichte verfilmt, die sich Ende der Siebzigerjahre tatsächlich zugetragen hat. Und Lee ist in Hochform.

Es geht los mit einer Szene aus ”Vom Winde verweht” - ein Klassiker; aber für viele Menschen ist er nicht einfach ein Stück aus der Vergangenheit, dessen Kontext man mitdenken muß, sondern Sehnsuchtsbild weißer Herrschaft. Später im Film werden sich Ku-Klux-Klan-Männer ”Birth of a Nation” ansehen, den Film von D.W. Griffith, der 1915 den Klan wiederauferstehen ließ, der am Ende des Bürgerkriegs entstanden war. Spike Lees Film spielt 1979, man sieht als Nächstes Alec Baldwin, der als Rassenreinheitstheoretiker vor sich hinschwadroniert. Dann aber sind wir bei der Polizei in Colorado Springs. Dort stellen sie gerade ihren ersten Schwarzen ein: Ron Stallworth (John David Washington). Dass der junge Mann dann auch noch Ambitionen hat und gerne Sonderermittler werden will, ist seinem zukünftigen Chief sichtbar zu viel, und so landet Ron erst einmal im Archiv. Er bleibt nicht bei den staubigen Akten, Ron wird gebraucht für eine Undercover-Mission. Er soll Studenten ausspionieren, die sich für Black Power engagieren. Höchst suspekt.

Es kommt dann bei den Ermittlungen gegen die Studenten nicht viel heraus, außer dass Ron sich in die Black-Power-Aktivistin Patrice (Laura Harrier) verliebt hat, der er nun nicht sagen kann, dass er sie bei der ersten Begegnung belogen hat. Wie er sich windet, um ihr nicht noch mehr Märchen auftischen zu müssen, gehört zu den Kniffen, mit denen Lee der Geschichte die Leichtigkeit einer Komödie mit auf den Weg gibt. Den Rest müssen die absurden Gestalten erledigen, die Ron bei seiner nächsten Ermittlung auftut; er macht einen kleinen, zentralen Fehler, als er sich um eine Aufnahme beim Ku-Klux-Klan bewirbt - er gibt seinen echten Namen an. Das macht die Sache gefährlicher, aber als Ron dann nach ein paar Telefonaten tatsächlich zu einem Treffen eingeladen wird, muss sein Kollege Flip (Adam Driver) für ihn hingehen.


Topher Grace als Klanchef David Duke und der Klan

Das ist tatsächlich lustig, bis auf die letzen, bitteren Minuten ist ”Blackkklansman” ein Feelgood-Movie; und ein Feelgood-Movie über den Ku-Klux-Klan zustande zu bringen ist schon mal eine Leistung für sich. Zwei Cops führen den Klan an der Nase herum, das klingt fast ein bisschen albern - aber ungefähr so ist es nun mal passiert. ”Blackkklansman” hält eine schöne Balance zwischen Spaß, einer Art ”Comic Relief” im Angesicht der Kapuzen, und ergreifenden, erschütternden Momenten.

Es gibt jedenfalls bald zwei Rons, einen, der in Fleisch und Blut vor den Klan tritt, und einer, der vom Büro aus per Telefon mitmischt - als der Mitgliedsausweis nicht rechtzeitig kommt, schafft es Ron, sich gleich den Oberboss ans Telefon zu holen, den er dann bei weiteren Telefongesprächen genüsslich vorführt. Ein Mann, der auf den ersten Blick ganz sanft und weich wirkt, vor allem bürgerlich: David Duke, hervorragend gespielt von Topher Grace. Es ist derselbe David Duke, der noch heute am rechten Rand der amerikanischen Politik herumspukt.

Im Film ist das Sammelsurium zweifelhafter, recht einfältiger Gestalten, die Flip bei den Treffen kennenlernt, sehr unterhaltsam - aber gefährlich sind sie doch. Besonders Felix Kendrickson (Jasper Pääkkönen), der so besessen ist, dass er einfach nur irre und lächerlich wirkt. Er heckt mit seiner Frau Bombenanschläge aus, und wie einem idiot savant dämmert ihm, dass Flip, der Mann, der vor ihm sitzt, Jude ist. Alle anderen sind vom neuen Mitglied begeistert. Man will ”Ron”, diese zusammengesetzte Gestalt aus zwei Polizisten, zum Chef der örtlichen Kapuzenträger machen. Seine Vernunft, sein kühler Kopf, dass er sich mal eben zum Grand Wizard des Ku-Klux-Klans durchstellen lässt - das finden sie eindrucksvoll.


Taugt er zum Helden: Denzel Washingtons Sohn John David spielt den Undercover Detective Ron Stallworth. Es ist seine erste große Hauptrolle.

Flips Auftrag ist ungleich gefährlicher als Rons Telefonfreundschaft mit Duke. Und er löst in ihm so eine Art Identitätskrise aus. Flip ist weiß, mit Religion hat er nicht viel am Hut. Dass er jüdisch ist, hat für ihn noch nie eine Rolle gespielt. Nun aber sitzt er in diesen Sitzungen des Klans, hört sich antisemitische Sprüche an - und fühlt sich plötzlich jüdischer als je zuvor. Es ist dann eine schöne Wendung, dass sich trotzdem in diesem Film nicht jeder in die Gruppe zurückzieht, in die er hineingeboren wird. Es entsteht eine neue Gruppe. Das Lager, das sich bildet, um sich dem Klan entgegenzustellen, entsteht auf dem Polizeirevier, wo die ganze Abteilung zusammenwächst. Je gefährlicher die Mission wird für Ron und Flip, desto größer wird die Solidarität im Großraumbüro.

”Blackkklansman” ist ein komischer Film, basierend auf der wahren Geschichte, es gibt ein bisschen Action (sogar mehr, als in der echten Ermittlung geboten wurde). Im Kern aber ist ”Blackkklansman” vor allem ein Polizeifilm, eine Law-and-Order-Geschichte. Es gibt eben doch eine Entwicklung in der amerikanischen Wirklichkeit seit Spike Lee 1989 ”Do the Right Thing” über die Polizeibrutalität gegen Schwarze gemacht hat. Es gibt diese Polizeibrutalität immer noch und den Rassismus und die Ungerechtigkeit und den Klan, aber man erzählt nun andere Geschichten. Die Helden in ”Blackkklansman” sind keine Underdogs, Ron und Flip repräsentieren Staat und Recht - die Rassisten, mit und ohne Kapuzen, stören die Ordnung.

Susan Vahabzadeh: Süddeutsche Zeitung

Die radikale Aktivistin Patrice Dumas (Laura Harrier) und der Polizist Ron Stallworth (John David Washington).

Set in 1973, Spike Lee’s BlacKkKlansman relates the remarkable true story of how the fist African-American police officer to join the Colorado Springs Police Department, Ron Stallworth, became a card-carrying member of the Ku Klux Klan. It’s a premise that sounds almost impossibly ridiculous, and Lee acknowledges how preposterous it might seem by initially giving the film a broad comic tone.

John David Washington, the star of television series Ballers (2015-) and the son of Lee regular Denzel Washington, plays Stallworth, an affable character who is given the lacklustre jobs in the filing department by his uniformed work colleagues, who use racial slurs as terms of endearment. Stallworth’s humdrum career perks up only when his blackness is needed to infiltrate a student meeting where Black Power activist Kwame Ture (aka Stokely Carmichael) is holding forth at the lectern. There he falls for activist Patrice (Laura Harrier) and through this relationship is left to wonder whether he’s selling out.

Then comes the film’s comic pièce de résistance. Stallworth responds to a newspaper advert and through his ability to mimic the sonorous drawls of his white colleagues, manages to become a member of the Ku Klux Klan over the phone. The humour is reinforced by a Twins-style joke, when the tall, muscular, Jewish and very white fellow cop, played by Adam Driver, becomes his ‘white’ stand-in at Klan meetings.

Lee is a master chronicler of American life, a director whose body of work is infused with commentary on contemporary socio-political issues. The climax of the New York-set Do the Right Thing (1989), for example, turns on the police killing of boombox-loving Radio Raheem, and the movie is dedicated to the families of Eleanor Bumpurs, Michael Griffith, Arthur Miller, Edmund Perry, Yvonne Smallwood and Michael Stewart - real-life black New Yorkers who had been killed by the police. The same film also shows some graffiti proclaiming ”Tawana Told the Truth”, a reference to the 1987 Tawana Brawley case, in which the 15-year-old Brawley accused four white men of having raped her, but was later found by a grand jury to have fabricated her story. The biopic Malcom X (1992) opened with footage of the Rodney King beating, which took place 26 years after the films’s subject died in 1965. And Lee’s 2002 adaptation of David Benioff’s novel 25th Hour was updated to enable its characters to offer their furious responses to 9/11.

Given this history, the fact that BlackKkKlansman is set 45 years ago was not going to stop Lee passing judgement on the rise of neo-Nazis in the current era, particularly in America. Footage from the Charlottesville white supremacist rally from 2017 is expertly woven into the film to question how far America has really moved since the civil rights movement. It’s a remarkable ending to a film that slowly veers from slight to serious, and which also becomes a treatise on #BlackLives- Matter and #OscarsSoWhite with its commentary on supposedly canonical films The Birth of a Nation (1915) and Gone with the Wind (1939) and its musings over blaxploitation era- pictures and President Trump.

In short, it’s quintessential Lee, replete with his signature shots and Brechtian techniques. BlackkKlansman, which won the Grand Prix of the Jury at the Cannes Film Festival, is a major addition to Lee’s remarkable filmography, one that highlights the continuing strength of white hegemony while issuing demands to his fellow citizens to ”Wake up!”

Kaleem Aftab: Sight & Sound, London

Regisseur Spike Lee hat mit seiner Dankesrede bei der Oscar-Verleihung 2019 den Zorn von US-Präsident Donald Trump auf sich gezogen.

Auszeichnungen (Auswahl): Großer Preis der Jury beim Festival in Cannes; Oscar für das beste Adaptierte Drehbuch, Oscar-Nominierungen in den Kategorien Bester Film, Regie, Nebendarsteller (Adam Driver), Filmmusik und Schnitt; Golden-Globe-Nominierungen in den Kategorien Bester Film - Drama, Regie, Bester Darsteller - Drama (John David Washington) und Darsteller in einer Nebenrolle (Adam Driver); AFI Award des American Film Institute für Movie of the Year; Satellite Award für den besten Film, Drama (Independent); BAFTA Film Award der British Academy of Film & Television Arts in der Kategorie Adaptiertes Drehbuch; Nominierungen in den Kategorien Bester Film, Regie und Originalmusik; Publikumspreis beim Festival in Locarno.

USA 2017. A Spike Lee joint. Produktionsfirmen: QC Entertainment / Blumhouse Productions / Monkeypaw Productions / 40 Acres & A Mule Filmworks. Präsentiert von Universal Pictures, Focus Features und Legendary Pictures in Verbindung mit Perfect World Pictures.. Geschäftsführende Producer: Edward H. Hamm Jr, Jeanette Volturno, Win Rosenfeld, Matthew A. Cherry. Producer: Sean McKittrick, Jason Blum, Raymond Mansfield, Jordan Peele, Spike Lee, Shaun Redick. Regie: Spike Lee. Drehbuch: Charlie Watchel, David Rabinowitz, Kevin Willmott, Spike Lee. Vorlage: Buch [Black Klansman Race, Hate and the Undercover Investigation of a Lifetime] von Ron Stallworth. Chefkameramann: Chayse Irvin. Produktionsdesign: Curt Beech. Art Direction: Marci Mudd. Set Decoration: Cathy D. Marshall. Key Makeup Artist: Kim Collea. Kostümdesign: Marci Rodgers. Schnitt: Barry Alexander Brown. Supervising Sound Editor: Phil Stockton. Musik: Terence Blanchard.

Musiksupervisor: Rochelle Claerbaut. Visual Effects Supervisor: Randall Balsmeyer. Casting: King Coleman.

Darsteller: John David Washington (Ron Stallworth), Adam Driver (Flip Zimmerman), Topher Grace (David Duke), Corey Hawkins (Kwame Ture), Laura Harier (Patrice Dumas), Ryan Eggold (Walter Breachway), Jasper Jääkkönen (Felix), Paul Walter Hauser (Ivanhoe), Ashlie Atkinson (Connie Kendrickson), Isiah Whitlock Jr. (Mr. Turrentine); Robert John Burke (Chief Bridges), Brian Tarantina (Officer Clay Mulaney), Arthur J. Nascarella (Arthur Nascarella), Ken Garito (Sergeant Trapp), Frederic Wider (Master Patrolman Andy Landers), Michael Buscemi (Michael Joseph Buscemi), Damaris Lewis (Odetta), Ato Blankson-Wood (Hakeem), Dared Wright (Officer Cincer), Faron Salisbury (Officer Sharpe), Ryan Eggold (Walter Breachway), Victor Colicchio (Steve), Alec Baldwin (Dr. Kennebrew Beauregard / Erzähler), Harry Belafonte (Jerome Turner), Gina Belafonte u.a.

Vorführformat: DCP. Negativformate: 16mm Eastman Double X, 35 mm (Kodak Vision 3 250 D 5207). Farbe. Sound: Dolby Atmos. Bildseitenverhältnis: 1:2,35. Produktionskosten: $15 Millionen. Drehbeginn: Oktober 2017. Locations: New York (New York). Uraufführung: 14.5.20 2018, Internationales Filmfestival Cannes. US-Kinostart: 10.8.2018. Gesamtumsatz bis 7.10.2018: $48.179.465. Deutscher Kinostart: 23.8.2018; Gesamtumsatz bis 11.11.2018: 2.574.251 Euro; Gesamtbesuch: 304.952. Kinoverleih: Universal Pictures International Germany GmbH.