Nächster Film
Freitag, 21. September 2018, 18.00 und 20.30 Uhr
Erstaufführung der Originalversion
ALLIED
Deutscher Titel: Allied - Vertraute Fremde

Romantischer Thriller mit Brad Pitt, Marion Cottilard, Jared Harris, Simon McBurney, August Diehl
Chefkameramann: Don Burgess
Musik: komponiert und dirigiert von Alan Silvestri
Drehbuch: Steven Knight
Producer: Graham King, Robert Zemeckis, Steve Starkey
Regie: Robert Zemeckis
USA 2016, 124 Min.

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Marokko 1942: Ein frankokanadischer Geheimagent und eine französische Widerstandskämpferin lernen sich bei einem Einsatz gegen die Nazis in Casablanca kennen. Die beiden verlieben sich und gründen eine Familie, bis ihm offenbart wird, daß seine Frau womöglich eine Doppelagentin ist. Der romantische Thriller des Regisseurs Robert Zemeckis (Who Framed Roger Rabbit, Forest Gump) ist eine Hommage an Steven Spielberg - und an Casablanca des Regisseurs Michael Curtiz. Mit zwei glänzenden Hauptdarstellern, Brad Pitt und Marion Cotillard, wobei man sich besonders an Cotillard erfreuen kann, ”deren Rolleninterpretation man geschmeidig, mysteriös und sinnlich zugleich nennen darf. Ihr gehört die Zukunft unter den großen Frauen in Hollywood” (epd Film).

Französische Résistance-Kämpferin Marianne Beauséjour: Marion Cotillard, Frankreichs einziger übernationaler weiblicher Star

Mit dem Fallschirm fällt er in den Film und in die Wüste von Marokko. Ein ebenso eigenwilliges wie schönes Entrée, mit Signalwirkung: Gleich zu Beginn beweist Max Vatan Mut und Können, ein Haudegen, der die Gefahr liebt. Der frankokanadische Flieger steht während des Zweiten Weltkriegs im Dienst der Royal Air Force und trifft sich in Casablanca mit der französischen Widerstandskämpferin Marianne Beausejour, seiner neuen Partnerin bei einer höchst gefährlichen Mission. Sie geben sich als reiches französisches Ehepaar aus, das in Casablanca den Kriegswirren in Europa entkommen will. In Wahrheit bereiten sie minutiös ein Attentat gegen den deutschen Botschafter vor. Die Gefahr des Auftrags, seine Hindernisse, die Anspannung, aber auch der glückliche Ausgang bringen Max und Marianne näher - sie verlieben sich. „I make emotions real”, sagt sie einmal. Ein Satz, der fortan eine große Unsicherheit transportiert.

Dann wechselt der Film den Schauplatz und das Genre. Von Casablanca geht es nach London, aus dem Kriegsabenteuer mit Liebesgeschichte wird unvermittelt ein Spionagethriller. Max und Marianne haben inzwischen geheiratet und sind nach Hampstead gezogen; während eines Bombenangriffs kommt ihr Kind zur Welt. Er hat einen Schreibtisch-Job beim Geheimdienst, sie kümmert sich um Haushalt und Kind. Eines Tages wird Max von seinem Chef mit einer unleugbaren Tatsache konfrontiert: Jemand verrät von London aus Geheimnisse an die Deutschen. Max soll den Verräter entlarven. Und töten.

Der neue Film von Robert Zemeckis, jenem versierten Geschichtenerzähler, der zuletzt mit ”Flight” und ”The Walk” in den Kinos war, ist zunächst eine deutliche Verbeugung vor ”Casablanca”, dem großen Klassiker von Michael Curtiz. Casablanca - ein mythischer Ort, an dem in Straßencafés und Hotel-Lobbys alles möglich scheint, vom Fluchtpunkt über Abenteuer bis zu überlebensgroßer Liebe, während in Europa alles in Schutt und Asche versinkt. Auch hier geht es darum, daß die Probleme zweier verliebter Menschen genauso groß sind wie die Verrücktheit des Krieges. Sogar das Ende am Flughafen nimmt Zemeckis auf, wenn auch mit anderen Vorzeichen. Doch man sollte den Vergleich nicht zu weit treiben. Marion Cotillard und Brad Pitt sind nicht Ingrid Bergman und Humphrey Bogart. Dennoch funktioniert ihre Romanze gut. Es funkt ordentlich, weil die Charaktere so unterschiedlich sind. So spielt Pitt stoisch und reserviert den Macher, der fliegen, schießen und Karten mischen kann. Für jedes Problem hat er eine praktische Lösung; das Herz einer Frau zu gewinnen fällt ihm nicht schwer. Doch vielleicht nicht geliebt worden zu sein, stürzt ihn in eine Krise.


Geheimdienst-Offizier Vatan (Brad Pitt) und die Résistance-Kämpferin Beauséjour (Marion Cotillard)

Pitts Charakter liegt wie ein offenes Buch da, und so spielt Marion Cotillard zwangsläufig die interessantere Figur. Nie läßt sie sich in die Karten schauen, nie ist ihr Handeln eindeutig. Fast scheint es, als würde sie eine undurchdringliche Maske tragen. Kühle femme fatale oder liebende Ehefrau? Mit dieser moralischen Ambiguität zieht sie den Zuschauer in den Film und trägt ”Allied” fast allein. Das Drehbuch von Steven Knight baut das Handlungsgerüst sorgsam auf. Die rasch entwickelte Undercover-Intrige mit stürmischer Romanze wandelt es geschickt zum Spionagethriller, an dessen Ende - vielleicht - Betrug und Verrat stehen. Di e Inszenierung erweckt bemerkenswert genau eine vergangene Zeit und versetzt den Zuschauer perfekt in die 1940er-Jahre. Ganz egal, ob Pitts weite Hosen, Cotillards aufregende Kleider, Anzüge, Hüte und Mäntel oder die großzügigen Autos - hier stimmt jedes Detail. Auch das Londoner Leben in Kriegszeiten ist gut getroffen, eine Mischung aus Langeweile und Hysterie, bürokratischer Arbeit und Alltagsfreuden.

Bis sich der Film auf verschiedene Wege, den Verräter zu entlarven, konzentriert. Oder ist alles nur ein ausgeklügeltes ”Spiel”, um die Aufrichtigkeit von Max zu testen? Noch so eine Unsicherheit, die auf ein düsteres, melodramatisches Ende hindeutet. ”Allied” ist aufregende Unterhaltung mit komplexer Handlung, packenden Actionsequenzen, zwei attraktiven Hauptdarstellern und einer wohldosierten Mischung aus Romanze und Spannung.

Michael Ranze: Filmdienst, Bonn

Max und Marianne verlieben sich in Casablanca, gründen eine Familie in London und müssen der Spionageabwehr trotzen.
Marion Cotillard

Cotillard undoubtely posesses the enviable good looks that are expected of young actresses, with her graceful slim figure, translucent skin, sensual mouth and striking blue eyes - yet looks alone are hardly a passport to global stardom within a film milieu that is not short of female beauties.

She was born in Paris in 1975, into a family of stage actors. Her parent gave her a feel for the theatre, confirmed later at school, instilling in her desire for an acting career. But unlike her contemporary Tautou, who shot to fame in Amélie (2001) at the age of 25, Cotillard had to wait until she was 33 to reach major stardom with La Vie en rose. After appearing as a child in a couple of short films, she worked her way through some television series and small film projects, until the Luc Besson-produced mega-hit comedies Taxi (1998) and, especially, Taxi 2 (2000) brought a degree of fame. Even then, she commanded only limited attention: the narrative was driven by the pairing of a madcap Marseille taxi driver (Samy Naceri) and a hapless policeman (Frédéric Diefenthal); as the taxi driver’s girlfriend Cotillard was decorative but marginalised. As she has said, she became known as the ‘taxi girl’ but the people struggled to put a name to her face, despite a César Award nomination. s later.)

Notwithstanding growing recognition and a busy schedule, she felt she was not making headway and considered giving up acting before an offer came along from Tim Burton to appear in Big Fish (2003). The same year, the romantic black comedy Love Me If You Dare brought box-office success in France and European prizes; in 2004 her part as an avenging prostitute in Jean-Pierre Jeunet’s A Very Long Engagement earned Cotillard a César as supporting actress, despite only a brief time on screen. Yet there were also disappointments, both at the box office (several small-budget films failed to reach an audience) and critically. One of the critical disappointments was Ridley Scott’s Provence-set A Good Year (2006), in which Cotillard plays the love interest to a banker turned wine-grower Russell Crowe - a film dismissed by one French critic as a ”pointless postcard”. Though she was accumulating auteur credentials and international exposure, her career seemed to stagnate.

All this changed with La Vie en rose, a film, a role and a performance out of the ordinary. Made on a budget of a little more than €20 million, Olivier Dahan’s biopic of Piaf allowed Cotillard to tackle a potent French Legend who, helpfully, enjoyed worldwide recognition; the film’s canny emphasis on Piaf’s time in the US can’t have done any harm. [...] La Vie en rose was a massive success at home and abroad, earning Cotillard an unprecedented grand slam of Best Actress prizes at the Césars, Baftas, Golden Globes and Academy Awards (the first Oscar for a performer in a French-speaking film). Paradoxically, a film bent on undermining the myth of stardom, showing repeatedly how Piaf was ‘constructed’, turned Cotillard into not just a star but a global celebritiy.


Schießübungen in der Wüste bei Casablanca: Geheimdienst-Offizier Max Vatan (Brad Pitt) und die Résistance-Kämpferin Marianne Beauséjour (Marion Cotillard).

Success in American cinema has been a recurrent dream for French stars, but one rarely achieved since the days of Maurice Chevalier and Charles Boyer. Since the 1950s, attempts to do so have been far from glorious, as seen in the fate of Alain Delon, Gérard Depardieu or Isabelle Adjani. More recently, Tautou (Amélie), Jean Dujardin (The Artist, 2011) and Omar Sy (Untouchable, 2011) proved unable to capitalise in the US on the success of their high-profile French films. Cotillard alone has successfully crossed over, with lead roles in a string of major English-language films, with directors ranging from Michael Mann (Public Enemies, 2009), Rob Marshall (Nine, 2009), Christopher Nolan (Inception, 2010, and The Dark Knight Rises, 2012), Woody Allen (Midnight in Paris, 2011) Steven Soderbergh (Contagion, 2011), James Gray (The Immigrant, 2013) and Robert Zemeckis (Allied, 2016): The French press has responded with gushing headlines such as ”The Americans are mad about her” (Le Nouvel Observateur) or ”Marion Cotillard takes to Hollywood like a fish to water” (Le Figaro).

While some of Cotillard’s English-language films trade on her Frenchness (Midnight in Paris, Allied), or a more generalised

Europeanness (The Immigrant) , she has not been confined to stereotypical French parts, of the sort Depardieu played in Green Card (1990). One basic but fundamental reason is her successful mastery of English. She says she worked with a dialect coach every day for four months after Mann offered her the part in Public Enemies, with impressive results. Her proficiency is clear from the films, in dialogue and song (as in Nine), and from countless US chat shows. Over the years these public appearances have demonstrated her growing professionalism and confidence in handling, among other things, the more irksome aspects if celebrity culture such as misogynist national stereotyping. The perils of celebrity were brought home to her in the wake of her Oscar, when an earlier French television interview was unearthed, in which she injudiciously cast doubt on the veracity of the first moon landing and the established explanations for the 9/11 attacks.

In parallel with her American career, Cotillard has continued to appear in French-language-films, concentrating on dramas by auteurs such as Jacques Audiard, Nicole Garcia, the Dardene brothers, Xavier Dolan and Guillaume Canet (her partner and father of her two children) with whom she made the hugely successful Little White Lies (2010). One major exception to the predominance of drama is Rock’n’Roll (2017), a satire on stardom directed by Canet, in which he and Cotillard play themselves.

Ginette Vincendeau: Sight & Sound, London (gekürzt)